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  melt! festival - freitag, 14.07.2006 (teil 1)



es gibt sie also doch noch: jene momente, die einem das blut gefrieren und die häärchen auf den armen nach oben steigen lassen. wenn dir ein wohlig-kalter schauer bis tief ins kreuz läuft, du vor freude schluckst und wenig später vor witz spontan und ehrlich lachen musst. solche momente an einem tag gleich zweimal zu verspüren, das ist relativ selten. außer hier: beim melt! festival in ferropolis.



so wie oben zu sehen lag das wochenende vor uns. freitags morgens, 12 uhr, als das zelt stand, das erste bier sich öffnete und die sonne bereits brannte das es eine wahre freude war.
zu dem zeitpunkt war der tag schon 12 stunden lang: abfahrt in köln um mitternacht, kurz vor hof um 6:30 uhr. durchsage von busfahrer hermann, er habe sich verfahren weil sich die postleitzahl gräfenhainichens mit derer eines kaffs in bayern decke (haha) und er anhand derer die route gewählt habe, um 6:35 uhr. zwei stunden umweg später ankunft in ferropolis um 9:30 uhr. stimmung gedrückt, aber jeder hat fortan etwas abseits von schlafmangel und sonstigen befindlichkeiten über die busreise zu erzählen.
was man übrigens auch festhalten sollte: wer einen kasten reissdorf kölsch mit sich schleppt ist überall willkommen, vor allem bei festivals, deren organisatoren überwiegend aus köln kommen. ein großes hallo jedenfalls überall, während man gepäckbeladen 24 lauwarme halbliterbomben vor der brust zum camping-platz balanciert.

hätte man mich vor zwei jahren noch zu so sachen wie backstage-camping befragt, dann hätte ich wahrscheinlich großspurig über solche abgehobenheiten abgekotzt, heute ist mir das egal. ich bin mittlerweile pragmatiker, und wer mir auf einem festival einen toilettenwagen mit fließend wasser und duschen hinstellt und mich obendrauf getränke aufs 2-3 fußminuten entfernte gelände mitnehmen lässt, dessen freund bin ich sowieso. das soll garnicht feixend klingen, im letzten jahr waren wir selbst auf dem 3 kilometer entfernten campingplatz untergebracht, mit der zeit lernt man kleine vorzüge allerdings zu schätzen. jeder der jetzt "sell-out" schreit, den nenne ich fußgängerzonenpunk.



das gelände war wie im letzten jahr großzügig bemessen. so großzügig, dass the kooks auch um eindreiviertel nach einlass noch vor gefühlten 300 menschen und in der wüste sahara spielen. die sonne brennt am abend immer noch unbarmherzig, aber der nächste tag sollte ja noch mehr bringen.

bis zum auftritt von ...trail of dead plätschert die zeit langsam vor sich hin. getränkenachschub wird klargemacht, zu dem zeitpunkt kristallisiert sich auch heraus, was für einen tollen bastard-pop-campingplatz wir doch haben: aus der ferne schwappt der gesang von we are scientists unterlegt vom wummern des nahegelegenen markus kavka-dj-sets zu uns herüber. wenig später plaudern kollege kastrup von den popnutten und ich aus dem nähkästchen, das bier ist mittlerweile kühl, nur der kopf am braten.



zurück zu ...trail of dead: been there, seen them four times. ein fünftes mal hätte ich sie schon gerne gesehen, aber hot chip können nicht länger warten, sind sowieso schon zu spät an und wollen mir mein interview fast doch nicht mehr geben. tempo, tempo, bei dem man dann natürlich auch justine electra verpasst. dammit!

hot chip wiederum sind sehr zuvorkommende, nette, gutgelaunte briten. alexis taylor erzählt viel und gerne, lächelt schüchtern unter seiner kassengestellbrille hervor und nippt in kleinen zügen von seinem bier.
auf die frage, welcher sound von hot chip am allerbesten zu einem ort wie ferropolis passte, meint alexis nur:"The soundtrack they made for Robocop would be the most fitting. That's the best music we could have right here. Most of our own music is pretty unsuitable for these agressive looking things."
als ich den backstage-bereich wieder verlasse empfängt mich eddie argos gerade von der bühne mit "my little brother". komischerweise sieht der toursynthieist (?) von hot chip genau aus wie der kleine bruder eddie argos', jedenfalls was den oberlippenschnauz - oder: mustaaasch! - angeht.



20 minuten später gehe ich gerade in meinem ersten melt!-highlight auf: hot chip regieren alles und jeden, bohren ihre platten bis zur absoluten tanzdiktatur auf und bringen das zelt so zum tanzen, wie sich das für elektro-funk gehört. ein schweissgeladenes set, mitreissend, umwerfend, wundervoll. was freue ich mich jetzt schon auf ihren clubauftritt in köln, irgendwann im september!

>> hot chip - no fit state [mp3/10,3 mb]

dann kicken schlafmangel und alkohol ein: ich höre mich selbst was von "nur kurz ins zelt legen und dann zu deichkind" brabbeln. beim aufwachen gefühlte 120 grad finnische sauna im zelt, der kopf dröhnt bei 90 dezibel und der rücken hat auch schon mal bessere tage als auf dieser iso-matte erlebt. es ist samstag früh, die elektronasen auf der sleepless-stage ballern ihre bässe zu uns rüber und der kater ist gigantisch. noch nie habe ich mich so sehr über ein paracetamol gefreut...


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