ich glaube, ich habe mich seltener verbraucht selten verbrauchter gefühlt als in der vergangenen woche. an vier aufeinanderfolgenden nächten gearbeitet, an sechs aufeinandefolgenden nächten alkohol konsumiert, an mindestens zwei davon exzessiv. und dann zeitumstellung. never mind the verwirrte körper. aber dazu später.
freitags früh gegen 9 uhr schlich ich auf jeden fall aus der wohnung. in meinem zimmer lagen noch mein bruder und christian, beide am abend zuvor angereist. am abend zuvor auch im subzero am tresen festgeklammert bis zum bitteren ende. aber jeder spaß braucht ein ende, jede nacht vor allen dingen. die augen waren jedenfalls rot, drei stunden später, beim blick in den spiegel. zwei stunden und einen dünnen kaffee später saß ich schon im ice. nach münchen. zur bloglesung.
als ich gegen 18 uhr am literaturhaus aufschlage wird dort noch an der deko gefeilt. der saal liegt im dritten stock, quasi "über den dächern von", bestuhlt, das versteht sich von ebenso wie die bühne, auf der wir später sitzen sollen. dirk ist spät an, praktikantin judith versucht uns aufzuklären, wie der abend denn laufen soll. was auch klappt, stellenweise. leider eben nur so lala, weil die veranstaltung mangels geringem zeitlichen vorlauf stellenweise mit der heißen nadel gestrickt war.
abendessen. v.l.n.r.: rose, piwi, markus, nils
um 19 uhr schlägt dirk schließlich auf, telefonate, streit, ärger, medienalltag schätze ich. im restaurant des literaturhauses gehen wir den ablauf durch. bei mir schlägt zu dem zeitpunkt die müdigkeit durch. und dank eines kurzbesuches im 3 stockwerke höher liegenden lesesaals zwecks beschallung mit elektronischer popmusique verliere ich endgültig den faden. wie soll jetzt was laufen? wann bin ich dran? beziehungsweise kann ich audiofiles spielen? macht das sinn? ist das interessant? oder anstrengend? 1000 zeichen entsprechen einer sprechminute. was also mache ich mit den restlichen 8 minuten? und wieso läuft auf dem brandneuen sony vaio eigentlich nur der internet explorer?
auf der bühne mildert der wodka die aufregung. normalerweise sende ich zwar übers mikro, dann aber mit headset und quasi doppelter stimme: eine für den äther, eine fürs eigene ohr. so ist alles recht verwirrend, mit dem funkmikro in der hand. und dann ist da noch das publikum. es sendet sich leichter, wenn niemand zusieht. wie im blog eben.
ich lese texte zu jeans team und deichkind, vor allem aus fanboytum heraus. leider klappt das mit der leidenschaft - die dirk extra betont - an diesem abend nicht so. befürchtete ich jedenfalls, als ich in die verwirrten bis gelangweilten gescihter des zahlenden publikums blickte.
rose geht es ähnlich, nils merkt man seine gesammelte kameraerfahrung an seinem sendungsbewusstsein an: wie auf knopfdruck kann das publikum lachen. komisch.
markus' texte über filesharing bzw. kulturflatrates kann ich absolut nicht unterschreiben und ließe genau das am liebsten aus mir rausplatzen. habe ich mir dann aber doch für später aufgehoben, bringt nämlich nix einen handfesten streit auf der bühne loszutreten. obwohl: das wäre wohl das größte unterhaltungselement des abends gewesen.
nico, guido und piwi schütten derweil ihr herz via gebundenes papier aus. das tut gut, wirkt der abend doch so tatsächlich wie eine wichtige veranstaltung. näher an eine lesung kommen sie aber meiner meinung auch nicht ran: wir sind alle amateure, lese- als auch entertainer-mäßig. meine schlucke aus dem wodka-glas werden dementsprechend größer.
das publikum weiß vermutlich nicht, ob man jetzt von unserer vorstellung peinlich berührt sein oder ob man sich doch besser darüber ärgern sollte, für ebensolche peinlichkeiten auch noch 8 euro gezahlt zu haben. kann man schließlich selber besser und obendrauf noch günstiger.
indie "disco" mit peter, bjorn & john, let's call it off (direkt)
gefühlte zwei stunden später ist der abend für alle beteiligten so gut wie vorbei. wir bringen den letzten schluck bier mit würde die kehle hinunter, vor allem, damit die trockenheit genau dort aufhört. ab da gibt es musik aus der konserve, die die zunehmende leere des saals mit musik füllt. irgendwann bin ich dran: peter, bjorn & john, the whitest boy alive, devendra banhart, the good life, moloko und dann auf die straße.
mit anna, piwi und jacobjochen ist der tresen des atomic café tatsächlich so nett wie angekündigt. da sind dann auch die 7 euro eintritt (hallo?) bzw. der flanger-bekloppte dj (hallo? hallo? flanger ist der überflüssigste dorfdisko-effekt, der außerdem bei indie-stücken vollkommen (vollkommen!) überflüssig ist!) egal.
gegen halb drei fahren piwi, anna und ich weiter zum cord. für mich liegt das nahe genug am bahnhof um vorher noch an einem tripple-whopper (hallo? cholesterin-alarm?!) zu scheitern und wenig später im zug einzuschlafen.
münchen, ich mag dich. irgendwie. hassliebend.
jetzt.de, ich mag dich. und deine lesungen. irgendwie.
fellow bloggers, ich mag euch.
alles wichtige zum abend steht hier, fotos hier.
kopfhörer auf, beirut an, augen zu.
der kater im zug ist übrigens der schlimmste!
ist für den dj einfach eine wahnsinnig reizvolle möglichkeit, aus jedem song so siebziger-spacerock-feeling zu zaubern. der ist sozusagen die lavalampe unter den mischpultreglern.
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